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Die gute Nachricht ist: Ein Hund ist immer noch ein Wolf

Die gute Nachricht für alle Menschen, die Angst vor Hunden haben, ist:  Ein Hund ist bei sozialen Begegnungen immer noch ein Wolf.

 

"Spinnt der ?" werden Sie sich vielleicht fragen, wenn Sie das lesen. Was soll an dieser Nachricht gut sein und mir helfen meine Angst vor Hunden zu überwinden ?

Die Erklärung ist einfach: Wölfe vermeiden instinktiv unnötige Auseinandersetzungen oder sogar Kämpfe solange es nur geht, um unter keinen Umständen Verletzungen zu erleiden. Denn schon eine leichte Verletzung kann es mit sich bringen bei der Jagd nahezu chancenlos zu sein und ist damit lebensbedrohlich für einen Wolf. Auf den Punkt gebracht, heisst das: Verletzung gleich körperliche Einschränkung gleich Hundertod.

Dieses wölfische Verhaltenserbe der Konfliktvermeidung tragen Hunde, deren Existenz erst seit etwas mehr als zehntausend Jahre nachgewiesen ist, immer noch tief in sich. Wie Wölfe nutzen Sie vor allem Drohen und Scheinattacken, um eine aus ihrer Sicht ernste und bedrohliche Ausseiandersetzung abzuwenden. (Das ihr Fressen inzwischen meist aus dem Hundesupermarkt kommt, spielt für das Verhalten von Hunden überhaupt keine Rolle.) Knurren, Zähnefletschen, Schnappen in die Luft,- die Liste der Einschüchterungsmaßnahmen ist noch länger, die Hunde wie Wölfe benutzen um einen drohenden Kampf abzuwenden.

Wenn ein Hund einem Menschen mißtraut oder sehr unsicher ist und eine Begenung nicht einschätzen kann, nutzt er die erwähnten bewährten Drohgebärden, um sein Gegenüber zu beeindrucken und möglichst kampflos zu vertreiben. Einschüchterung statt potentieller Schaden an leib und Leben sozusagen. Ich finde diese Strategie gar nicht übel. Und eigentlich machen wir es ja auch nicht anders.

Die Einschüchterungsshow der Hunde in Angst und Mißtrauen wirkt aggressiv für viele Menschen ist aber fast immer nur die hündische Art der kampflosen und vorbeugenden Verteidigung. Sie wird gegenüber Artgenossen genauso wie gegenüber Menschen munter angwendet. Als eine meine Hündin Juvia das erste Mal einer Milchkuh begegnet ist, hat sie das unbekannte Wesen auch zähnefletschend angeknurrt, damit es das Weite sucht, was in diesem Fall nicht funktioniert hat. Also ist Juvia schnell weitergetrabt, bloß weg von der suspekten Widerkäuerin.

Und deswegen ist die Nachricht, das Hunde bei der Begnung mit unbekannten Wesen noch immer kleine Wölfe sind für alle Menschen, die Angst vor Hunden haben eine gute Nachricht. Wenn sie denken Hunde sind grundsätzlich hintertückisch, angriffslustig und warten nur auf eine Gelegenheit zum Zuschnappen, ist das schlichtweg: falsch.

Hunde sind Meister der Kampfvermeidung. Warum es dann trotzdem dazu kommt, dass Menschen gebissen werden? Wenn es sich nicht um schwer verhaltensgestörte Hunde handelt, gibt es aus der Sicht des Hundes meist nur einen Grund: er ist der festen Überzeugung angegriffen zu werden. Der Klassiker: ein zwar hundeliebender aber von Hundesprache nichts wissender Mensch trifft einen Hund zum ersten Mal, geht schnell und freudig auf ihn zu, schaut ihm tief in die Augen, beugt sich über ihn und tätschelt ihm den Kopf... . Zugriff !!!!

Warum es sich hier und in den typischen Situationen in denen es zwischen Hund und Mensch schmerzhaft schief gehen kann fast immer um ein grosses menschlich-hündisches Mißverständnis handelt, beantworte ich Ihnen in einem der nächsten Beiträge. Ihr Sven Ihden

 

© Sven Ihden, Berlin, 2.1.2021